In der großen Vortragshalle der Fürstenbergschule gab es kaum einen freien Stuhl – als ahnte das Publikum, dass die Alte Philharmonie Münster mit einer genialen Mischung aus privatem Engagement und professioneller Qualität sich selbst übertreffen würde.

Noch vor dem ersten Ton merkte der Dirigent Thorsten Schmid-Kapfenburg an: Wir leben in turbulenten Zeiten, und das Beste, was die französische Marine je hervorgebracht hatte, sei Jean Cras (1879-1932), ein Marineoffizier und ein Komponist von höchstem Niveau. Erst nach dieser Einstimmung eröffnete das Orchester das Konzert mit dessen „Traum der Galatea“ aus der Oper „Polyphème“. Dabei veranschaulichten innig gespielte Klänge, dass selbst herrschsüchtige Wesen einsichtig und milde werden können.

Mit dem Konzert für Violoncello und Orchester von Mieczyslaw Weinberg (1919-1996) folgte das Kernstück des Abends. Weinberg ist besonders bekannt für seine vielseitigen musikalischen Ideen mit Anklängen an russische Volksmusik und Klezmer-Musik sowie für seine kontrastreiche Dynamik und vitalen Rhythmen. Dem großen Orchester gelang es hervorragend, all diese Aspekte für das Publikum erfahrbar zu machen. Mit seiner fantastischen Interpretation bot es die ideale Grundlage für die Cellopartie, vorgetragen von Elisabeth Fürniss. Oder war es umgekehrt, dass das mal zarte, mal ausdrucksstarke bis bravouröse Spiel der Solistin das Orchester zu Höchstleistungen animierte? Das exquisite Zusammenspiel und die sensible Gestaltungsweise begeisterten die Hörer immer wieder, wobei Fürniss bei der Kadenz nochmals mit speziellen Effekten und Feinheiten glänzte. Der Applaus wollte nicht enden, sodass Fürniss eine Zugabe wählte, die mit unterschiedlichen Stimmungen spielte, von der Cellistin zauberhaft charakterisiert. Die Hörer hielten den Atem an.

Nach der Pause genoss das Publikum das Werk „In der Stille des Münsterlandes“ von Josep Carol (geb. 1928). Der Katalane wurde von dem weltberühmten Cellisten Pablo Casals dazu ermutigt, eine Komponistenlaufbahn einzuschlagen; in Deutschland ist er weitgehend unbekannt geblieben. Bei diesem Konzert am Samstag in Recke war der fast 100-Jährige anwesend und lauschte sichtlich bewegt der Uraufführung seines vor Jahrzehnten entstandenen Werkes aus „Wenn der Friede in die Täler zurückkehrt“. Die Hörer waren nicht minder beeindruckt.

Mit der Sinfonie Nr. 1 des damals erst 20-jährigen Alexander Zemlinsky (1871-1942) ließ das glänzend aufgelegte Orchester den begeisternden Abend emotional ausklingen.

Zuletzt ließ es sich Bürgermeister Peter Vos nicht nehmen, im Rahmen der allgemeinen Würdigung des Abends auch dem hochbetagten Gast Josep Carol die Ehrennadel von Recke zu überreichen.

Der Abend endete mit Applaus. Und immer wieder Applaus.